VIVO™-GELENKSIMULATOR MIT SECHS FREIHEITSGRADEN
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VIVO™

AMTIs VIVO™-System erweckt die Gelenksimualtion zu neuem Leben, hin zu einer realistischen Abbildung der in vivo wirkenden Kinetik und Kinematik. Es bietet eine weltweit einzigartige, experimentelle Testumgebung sowohl für Endoprothesen als auch natürliche Gelenkpräparate.
VIVO™s Leistungsmerkmale beinhalten:
  • Sechs Freiheitsgrade - alle Gelenkbewegungen können gesteuert und erfasst werden
  • Jede Achse kann sowohl kraft- als auch weggeregelt betrieben werden – inklusive eines Zero-Force-Modus zur Simulation einer freigegebenen Achse
  • Bequeme Programmierung der Kraft- und Bewegungsprofile durch den Benutzer
  • Das exklusive Mehrfaser-Bandmodell (multi-fiber ligament model) von AMTI erfasst die achsübergreifenden Weichteile in allen 6 Freiheitsgraden
  • Unterstützung des herkömmlichen heuristischen Weichteilmodells
  • Gelenkbezogene Beschreibung der Kinematik im Koordinatensystem nach Grood und Suntay
  • Benutzerdefinierte Koordinaten - Anpassung des Koordinatenursprungs und der -orientierung an den verwendeten Prüfkörper
  • Iterativ selbstlernende Regelung - das fortschrittliche Regelsystem bietet eine stabile und schnelle Annäherung an die Sollwertvorgabe während der zyklischen Testung
  • Temperaturgeregelte Zirkulation des Testserums
  • Konfiguration von 1-3 unabhängig programmierbaren Teststationen in einem Rahmen - reduziert die Investitionskosten, den Platzbedarf und den Aufwand für die Spannungsversorgung
  • Die optionale VivoSim-Software zur genauen Echtzeit-Visualisierung des VIVO™-Simulators, der Testkomponente und des Mehrfaser-Bandmodells (multi-fiber ligament model)

MERKMALE DES VIVO™-SYSTEMS AUF EINEN BLICK

Freiheitsgrad / Achse Beschreibung
Axiale Last ±4500N
ML-/ AP-Last ±1000N
Momentenaufnahme ±80 Nm FE
±40 Nm IE
±40 Nm ABAD
Flexion/Extension 200° (kartesisch)
110° (Grood & Suntay)
Interne/Externe Rotation ±40 Grad
Abduktion/Adduktion ±25 Grad
Vertikale Translation 50 mm (Hub)
ML-/AP-Translation Runder Arbeitsbereich
50 mm Durchmesser
*technische Änderungen vorbehalten

VIVO™ BESCHREIBUNG

VIVO™ erlaubt eine hochgenaue Simulation der Bewegung des Knie-, Hüft-, Schulter-, Kiefer-, Ellbogen- und Sprunggelenks sowie der Wirbelsäule. Es ist dabei frei nach Standard- oder benutzerdefinierten Kraft- und Bewegungsprofilen programmierbar und unterstützt wissenschaftliche und routinemäßige Testprotokolle, die von täglichen Standardaktivitäten (activities of daily living, ADL) bis hin zum Extremsport und selbst der Simulation zufälliger, gesundheitsschädlicher Bedingungen reichen.

Der VIVO™-Simulator unterstützt zwei virtuelle Weichteilmodelle. Zum einen verwendet AMTI erstmals das exklusive, zum Patent angemeldete Mehrfaser-Bandmodell (multi-fiber ligament model), das Verbindungen in allen 6 Freiheitsgraden zwischen den Gelenkkomponenten (typisch für biologisches Gewebe, z.B. Bänder) abbilden kann. Dies bedeutet einen wichtigen Fortschritt in der Modellierung des Weichteilgewebes und öffnet neue Türen für wissenschaftliche Ansätze. Dadurch erfüllt das VIVO™-System bereits heute zukünftige Testvorgaben. Zum anderen wird auch unser patentiertes heuristisches Bandmodell unterstützt. Es ist aufwärtskompatibel mit den Bandmodellen aus unseren vorhergehenden Simulatoren und wurde durch VIVO™ nochmal mit einer größeren Flexibilität und Pragrammierbarkeit erweitert. Für jede Achse, die in Kraftregelung benutzt wird, ist ein unabhängiges heuristisches Bandmodell verfügbar.

VIVO™ ist der weltweit erste Simulator, der vollständig die Koordinatenbezeichnung nach Grood und Suntay (von der ISO, ASTM und der ISB festgelegter Standard für die biomechanische Testung) unterstützt. Der Benutzer gibt die Kräfte und Bewegungen bezüglich softwareseitig definierter Gelenkachsen ein, was eine Berücksichtigung der komplexen, positionsabhängigen Kinematik der physischen Maschinenaktuatoren überflüssig macht. Das virtuelle Koordinatensystem bildet demnach das zentrale Element für dieses einzigartige neue Testsystem. VIVO™ kann die Position des Gelenks bzw. der Prothese im Arbeitsraum erfassen und den Koordinatenursprung softwareseitig in das referenzierte Gelenk verschieben. Diese Fähigkeit ermöglicht die Anpassung von Abweichung im Zuge des Aufbaus des Experiments und vereinfacht somit die Genauigkeit bei der Montage der Prüflinge.

Das VIVO™-System besitzt eine neue, zum Patent angemeldete, selbstlernende Regelung zur Verbesserung der Genauigkeit der durch den Simulator erzeugten Kräfte und Positionen. Basierend auf modernem Regelungswissen benötigt diese selbstoptimierende Feed-Forward-Anwendung weniger Einstellungen durch den Benutzer als jemals zuvor. Es bietet daher die beste Stabilität und schnellste Sollwertanpassung aller verfügbarer AMTI-Simulatoren.

Die freie Konfiguration von 1-3 verbundenen VIVO™-Teststationen ermöglicht die Flexibilität der Nutzung für Untersuchungen mit kurzer Prüfdauer aber auch für Langzeittest. Dabei arbeiten alle Stationen unabhängig voneinander während die Steuerung auf einem separaten Windows-PC stattfindet. Für den Fall, dass mehrere Stationen mit demselben Testprotokoll betrieben werden, bietet die Bedienung eine einfache Übertragung der Einstellungen und der Programmierung zwischen den Stationen mit nur einem Klick.

Die optionale Software VivoSim visualisiert durch ein hochgenaues 3D-Modell die Bewegung der Gelenkkomponenten und des Bandmodells im Raum und bietet so dem Benutzer ein besseres Verständnis der komplexen Gelenkkinematik. Der VIVO™-Simulator stellt ein unabhängiges, voll funktionsfähiges Testsystem dar, während durch VivoSim die Möglichkeiten durch die genauere Betrachtung des hinterlegten Mehrfaser-Bandmodells und der Überprüfung von Dehnung, Spannung und wirkenden Kraftkomponenten für jede einzelne Faser nochmal deutlich erweitert werden. Zudem besitzt die Software eine eigenständige Modellierungsfunktion, die nahezu in Echtzeit funktioniert. Weitere Informationen zu VivoSim als separate Software finden Sie auf unserer Homepage.

Die einzigartige Kombination aus Geschwindigkeit, Bewegungs- und Lastumfang, Programmierbarkeit und virtuellem Bandmodell ermöglicht die Testung von real auftretendem Implantatversagen z.B. hohe Lasten bei Kantenüberlauf, Mikroseparation, Kollision von Schaft und Pfanne (Impingement) und kurzzeitige Trennung des Gelenks (Subluxation).

VIVO™ stellt damit das realistischste Simulatorkonzept dar, das aktuell auf dem Markt verfügbar ist.

ZUKUNFTSWEISENDES KONZEPT FÜR EINE GENAUERE SIMULATION

Der Arbeitsraum und das kompakte Design des VIVO™s wurden entwickelt, um komplexe Studien an menschlichen Gelenken zu vereinfachen und den notwendigen Platzbedarf im Labor gering zu halten.

Ein VIVO™-System besteht aus 1-3 Teststationen, die als eine Einheit montiert und verschickt werden. Jede Station ist dabei mit sechs servo-hydraulischen Aktuatoren ausgestattet. Die Kosten für die Anschaffung und Inbetriebnahme sind durch die Nutzung eines gemeinsamen elektrischen Anschlusses und Echtzeit-Reglers sowie einer hydraulischen Versorgung und Rücklauf für alle Stationen in einem Lastrahmen gesenkt. Trotz gemeinsamer Regeleinheit sind unabhängige Regelkreise für jede Station verfügbar. Dadurch können die Stationen auch unabhängig voneinander programmiert und betrieben werden.

Die einzigartige Aktuatoranordnung auf der unteren Plattform ermöglicht ein schwimmendes Rotationszentrum. Zusammen mit der Definition der virtuellen Gelenkachsen innerhalb der Software entsprechend dem Koordinatensystem nach Grood und Suntay sind viele der Probleme bei der Ausrichtung der Gelenkkomponenten, wie sie in früheren Simulatorkonzepten vorlagen, beseitigt.

Für die Wegregelung sind Präzisions-Wegaufnehmer an den hydraulischen Aktuatoren angebracht. Zudem ist jede Station mit einem Sechs-Achs-Kraftaufnehmer ausgestattet, der die Kräfte und Momente aufnimmt und an die Regelung weitergibt. Um den Abstand zwischen dem Ort der Krafteinlenkung und dem -aufnehmer möglichst gering zu halten, ist der untere Anteil des untersuchten Gelenks direkt mit dem Kraftsensor verbunden. Störungen, die aus der Nicht-Linearität des Kraftaufnehmers oder sonstigen Unregelmäßigkeiten entstehen, werden über das Regelsystem korrigiert. Falls benötigt kann zudem das polare und Massenträgheitsmoment der Anbauteile am Kraftsensor softwareseitig eingegeben werden, sodass die Regelung auch die Effekte der Massenträgheitskräfte bei der Korrektur mit berücksichtigt.

Jede Station besitzt ein temperaturgeregeltes Zirkulationssystem für Testungen, die in flüssiger Umgebung z.B. Serum durchgeführt werden. Dabei sorgt eine Heiz- und Kühlplatte für stabile Temperaturen im Sollwertbereich von etwa 10 bis 45°C.

Die Testeinheiten in einer Multi-Stationen-Konfiguration arbeiten unabhängig voneinander. Über die VivoControl-Benutzerschnittstelle können die Programme und Einstellungen jedoch mit einem Klick zwischen den Stationen kopiert werden, sodass identische Testprotokolle an mehreren Proben gleichzeitig angewandt werden können.

DAS HERZSTÜCK DER VIVO-TECHNOLOGIE: DAS REGELSYSTEM

Das neue VIVO™-Regelungskonzept ist das Ergebnis unserer umfangreichen Erfahrung in der biomechanischen Simulation und dem jüngsten Fortschritt in der Regelungstechnik. Es stellt damit das ausgereifteste robotische Regelsystem dar, das für die Gelenksimulation aktuell verfügbar ist. Das Regelsystem bietet dabei zwei kinematische Verfahren.

Beriebsart 'Gelenkkoordinatensystem' (Joint Coordinate System, JCS) - implementiert das Koordiantensystem nach Grood und Suntay (G&S), das von der International Society for Biomechanics (ISB) sowie den internationalen Organisationen für Normierung (ISO und ASTM) übernommen wurde. Im G&S-Modus werden die Regeleingänge und Datenausgänge entlang der Gelenkachsen in den klinisch relevanten, anatomischen Richtungsbezeichnungen (Translationen in medial-lateral, posterior-anterior und Distraktion-Kompression sowie Flexion-Extension, Abduktion-Adduktion und interne/externe Rotation) angegeben. Die Zuordnung zwischen der Aktuatorposition und den Koordinaten nach Grood und Suntay (JCS) wird anhand einer Referenzposition errechnet - der Benutzer ermittelt das G&S-Koordinatensystem einer definierten Gelenkstellung, überträgt diese Stellung auf den Probenkörper in der Maschine und bestätigt dies in der Bedienersoftware. Es besteht zudem jederzeit die Möglichkeit, eine vordefinierte Standardzuordnung zu wählen. Wenn dieser kinematische Zusammenhang einmal hergestellt ist, aktualisiert das Regelsystem die Umrechnung zwischen Aktuatorposition und den G&S-Koordinaten mit einer Datenrate von 2000 Hz. Dieses Vorgehen gewährleistet, dass die G&S-Achsen ihre gelenkbezogene Definition in jeder Maschinenstellungen innerhalb des Arbeitsraumes des VIVO™-Simulators beibehalten. Im G&S-Modus besitzt die Extension-Flexion einen Bewegungsumfang von 110°. Über die VIVO™-Einstellung kann der physiklische Bewegungsumfang auf jeden beliebigen Bereich von 110° der virtuellen G&S-Flexion übertragen werden, begrenzt durch ±180° des Koordinatenwertes. Jede Achse kann im G&S-Modus weg- und kraftgeregelt betrieben werden. Die Regelart wird unabhängig für jede Achse gewählt, so dass alle Kombinationen möglich sind.

Betriebsart 'Kartesisches Koordinatensystem' - für die Kompatibilität mit traditionellen Simulatoren. Bei Verwendung von kartesischen Koordinaten werden die Translationen und linearen Kräfte entlang eines orthogonalen X-y-z-Koordinatensystems mit festem Bezug auf den Maschinenrahmen angegeben. Die Ein- und Ausgangsgrößen von Rotationen beziehen sich auf die Aktuator-Achsen in Flexion-Extension und Abduktion-Adduktion sowie einen virtueller Aktuator um die Z-Achse. In kartesischen Koordinaten besitzt der Flexionsarm einen Verfahrweg von 200°. In diesem Modus können die vier Achsen der unteren Plattform kraft- und weggeregelt betrieben werden. Die Flexion-Extension und Abduktion-Adduktion sind auf reine Wegregelung beschränkt.

Funktionsverläufe (Waveformen) werden in einem Puffer mit 1024 unabhängigen Punkten für jede Achse angegeben. Die Waveform wird als Verlauf von Position- (Translation oder Rotation) oder Kraftsollwerten (lineare Kraft oder Moment) in dem gewählten Koordinatensystem interpretiert. Um die Regelart einer Achse von Weg- in Kraftregelung zu ändern, muss nur das entsprechende Auswahlfeld in der Softwareeinstellung angeklickt werden. Die Geschwindigkeit der Waveform wird über die Pufferdauer von 0,5 bis 100 Sekunden (entspricht einer Frequenz von 2 bis 0,01 Hz) festgelegt.

FORTSCHRITTLICHE SELBSTLERNENDE REGELUNG

Mit dem VIVO™-System stellt AMTI auch die neueste Version des selbstlernenden Regelalgorithmus (iterative learning control, ILC) vor. Diese zum Patent angemeldete Neuentwicklung steckt sowohl im Echtzeit-Regler als auch in der VivoControl-Software und stellt einen neuen Stand der Technik dar, insbesondere bei der Stabilität, der Geschwindigkeit und Güte der Regelanpassung an den Sollwert.

Der ILC-Regelalgorithmus erfasst Fehlerdaten über einen vollständigen (programmierten) Funktionsverlauf. Der Fehler wird daraufhin in eine äquivalente Darstellung des Frequenzraumes umgewandelt und anschließend weitere Verarbeitungsschritte durchgeführt, inklusive der Entfernung von Frequenzanteilen außerhalb des relevanten Bereiches sowie Kompensation über invertierte Signale der Achs-Transferfunktionen. Das Ergebnis wird daraufhin zeitlich zurückgerechnet und der Achsposition des vorhergehenden Funktionszyklus dazugezählt. Aufgrund der Verarbeitung diskreter Datenmengen und der zyklischen Wiederholung des Funktionsverlaufs, ermöglicht dieser Ansatz über die Zeit theoretisch eine fortschreitende Kompensation bis zu einem Fehler von genau Null. Da in einem realen System einmalige Störungen das Erreichen eines Fehlers von Null vermeiden, reduziert dieses Vorgehen in der Praxis den Fehler auf unter 1% des Sollwertes.

Die so erlernten Kompensationsgrößen werden automatisch gespeichert und stehen nach einer Unterbrechung als Ausgangspunkt einer erneuten Testung wieder zur Verfügung. Diese Funktion ist besonders hilfreich nach einer zeitlich befristeten Unterbrechung u.a. zum Wiegen, Serumwechsel, Erneuerung der Probenkammer usw.

Die neue Version beinhaltet zudem eine Vorlauf-Phase, die wir "haptische Abbildung" (haptic mapping) nennen. Vor Beginn eines neuen Tests werden einige Zyklen des Funktionsverlaufs bei deutlich reduzierter Frequenz (in der Regel 1/10 bis 1/20 der vorgesehenen Geschwindigkeit) gefahren. Die geringere Geschwindigkeit ermöglicht es dem PI-Regelsystem relativ fehlerfrei zu agieren, um die postionsabhängige Konformität des Gelenks zu bestimmen. Die Verarbeitung der gewonnenen Daten ermöglicht eine erste grobe Kompensation durch Abschätzung des dynamischen Verhaltens bei voller Geschwindigkeit. Auf diese Weise wird der verbleibende Fehler nicht vollständig entfernt, kann aber während der ersten Testzyklen deutlich um 50% oder mehr gesenkt werden. Dadurch wird eine schnelle Anpassung an den Sollwert erreicht und Beschädigungen der Proben in den ersten Zyklen reduziert.

Der ILC-Regelalgorithmus kann für langsame oder sich nicht wiederholende Anwendungen ausgeschaltet werden. In diesem Fall arbeitet der VIVO™-PI-Regler wie ein hydraulisches Standard-Regelsystem.

DIE SIMULATION DES WEICHTEILGEWEBES ERMÖGLICHT EINE REALITÄTSNAHE ABBILDUNG

Das künstliche Gelenk stellt einen Verbund aus biologischen und technischen Komponenten dar. Eine präzise Simulation der Kinematik, Kinetik und Haltbarkeit des Gelenks benötigt die genaue Abbildung der Kontaktsituation im Gelenk wie sie in vivo auch vorkommt. Da Kräfte, die aufgrund der Weichteile wirken, wesentlich zu den Kraftverhältnissen im Gelenk beitragen, muss eine realistische Simulation diesem Effekt des Weichteilgewebes Rechnung tragen.

VIVO™ bietet zwei virtuelle Bandmodelle.

Das Multifaser-Bandmodell ist das Ergebnis eines grundlegend neuen Ansatzes zur Bildung eines kinematisch und kinetisch präzisen virtuellen Kraftmodells. Es ermöglicht die Darstellung des Zusammenhangs zwischen Gelenkbewegungen und den resultierenden Kräften in allen sechs Freiheitsgraden.

Das heuristische Modell ist eine verbesserte Version des Bandmodells, das in vorhergehenden AMTI-Simulatoren verwendet wurde. Es ist nun unabhängig für jede kraftgeregelte Achse programmierbar und ermöglicht die Abhängigkeit zweier Achsen durch Hinzufügen einer Sekundärachse.

Die notwendigen Eingangsgrößen hängen vom gewählten Bandmodell ab.

Im heuristischen Bandmodell nutzt jede Achse entweder eine oder zwei Eingangstabellen. Um ein Modell mit einer Eingangstabelle zu definieren, werden 15 Stützpunkte festgelegt und die dazugehörigen Kräfte oder Momente. Während der Simulation nutz der Regler die aktuelle Position und berechnet die interpolierte Kraft aus dem Bandmodell. Der Modus mit zwei Eingangstabellen kann den Zusammenhang zwischen der Hauptachse und einer Sekundärachse abbilden. Dafür werden zusätzlich acht Stützpunkte für die Sekundärachse definiert. Die Kraft (Moment) aus dem Bandmodell ist dadurch anhand von 8 Kurven definert, wobei jede Kurve für einen Stützpunkt der Sekundärachse steht und aus den 15 Stützpunkten der Hauptachse aufgebaut ist. Die Gesamtheit der acht Kurven kann als eine Stützfläche abgebildet werden, die die durch die Weichteile erzeugte virtuelle Kraft (Moment) als eine Funktion mit zwei Eingangsgrößen (Position der Haupt- und Sekundärachse) beschreibt. In diesem Fall nutzt der Regler während der Simulation die Postionen der Haupt- und Sekundärachse für eine 2D-Interpolation über die Eingangstabelle. Jede Achse ermöglicht eine unabhängige Wahl des benutzten Modells. Die VivoControl-Benutzereingabe bietet Werkzeuge zur einfachen Erzeugung der Eingangstabellen, z.B. lineare, quadratische oder polynomische Funktionen. Alternativ können die Eingangstabellen über eine externe Software als CSV-Datei erstellt und in VivoControl geladen werden. Genauso können bestehende heuristische Bandmodelle als CSV-Tabellen exportiert werden. Das heuristische Bandmodell wird typischerweise für die Normtestung nach den aktuellen ISO- und ASTM-Standards benötigt. Es ist sowohl im Gelenkkoordinatensystem nach Grood und Suntay als auch im kartesischen Koordinatensystem verfügbar.

Das Multifaser-Bandmodell entstand aus einem neu entdeckten Ansatz zur Modellierung des Weichteilgewebes. Statt im Vorfeld zu definieren, welche Kräfte in jeder Achsposition wirken, werden beim Multifaser-Bandmodell bis zu 100 Fasern durch die (x-y-z) Koordinaten des proximalen und distalen Muskelansatzes der Gelenkkomponenten, ihre Steifigkeit und das Ausmaß der Vorspannung oder Laxheit in der gegebenen Referenzposition definiert. Die Länge in der Referenzposition wird automatisch anhand der Koordinaten errechnet. Zusammen mit den Angaben zur Spannung in dieser Position lässt sich zudem die Länge berechnen, bei der keine Kraft im Band wirkt. Während der Simulation bestimmt der Regler in Echtzeit die Länge und Wirkungslinie jeder Faser. Für solche Fasern, die auf Zuge belastet sind, wird die berechnete Kraft auf die Gelenk-Koordinatenachsen nach Grood und Suntay übertragen. So entstehende Momente werden darüber hinaus anhand des Hebels zwischen Wirkungslinie und der Gelenkachse errechnet. Die Summe aller wirkenden Kräfte und Momente wird schließlich auf das Gelenk angewandt. Diese umfangreichen Berechnungen erfolgen bei jeder Ansteuerung der Servoventile innerhalb des Echtzeit-Reglers. Daher sind sie auch gleichzeitig mit der aktuellen Kinematik des Gelenks synchronisiert. VivoControl bietet auch hier einen CSV-basierten Im- und Export. Kunden können demnach externe Modellierungs-Tools nutzen, um ein Multifaser-Bandmodell zu erstellen. Durch den Export des Modells aus der externen Anwendung im CSV-Format und Import in VivoControl werden zudem aufwändige und fehleranfällige manuelle Eingaben vermieden.

Das Multifaser-Bandmodell ermöglicht die Testerstellung zur Empfindlichkeit der intra-operativen Balancierung der Bandstrukturen und des post-operativen Bandzustands durch die komplexen Verbindungen der Gelenkkomponenten wie beim natürlichen Knie. Die Konzepte hinter dem Multifaser-Modell könnten zudem als Grundlage für zukünftige ISO- oder ASTM Teststandards dienen.

AUSGELEGT FÜR EINE LANGE LEBENSZEIT

Für eine kompakte Bauweise bei maximaler Lebensdauer verwendet VIVO™ ausschließlich hydraulische Aktuatoren. Das Hauptlager des Systems ist zudem hydrostatisch gelagert, um eine geringe Reibung und eine präzisere Regelung bei langer Lebensdauer zu gewährleisten. AMTI's einzigartige Aktuatoren verringern die Ausfallzeiten durch Wartungsarbeiten und sind für eine Lebensdauer von mehreren Hundert Millionen Zyklen ausgelegt.

Zum Betrieb ist ein separates Hydraulikaggregat erforderlich. AMTI bietet Aggregate für Ein-, Zwei- oder Drei-Stationen VIVO™-Systeme. Falls gewünscht können Kunden auch Ihre vorhandene Infrastruktur nutzen. In dem Fall bitten wir Sie, für die Anforderungen an eine bestehende Anlage Kontakt mit uns aufzunehmen.

FORTSCHRITTLICHER SCHUTZ DER PRÜFKÖRPER UND HOHER SICHERHEITSSTANDARD

VIVO™ bietet ein neues Maß an Schutz Ihrer wertvollen Investition. Jede physikalische Messgröße wird kontinuierlich überwacht, so dass der Regler im Falle einer Störung oder Überlast reagiert und den Simulator sowie das Prüfobjekt schützt. Zudem können für viele dynamische Variablen benutzerdefinerte Grenzwerte und Aktionen eingestellt werden. Das schnelle Antwortverhalten verhindert eine versehentliche Beschädigung des Prüfobjekts während dem Einrichten oder der Simulation.

Die Sicherheit für den Bediener ist durch einen Lichtvorhang um den Arbeitsbereich des Simulators gegeben. Er kann kurzzeitig über einen Schlüsselschalter für Wartungszwecke oder während dem Einrichten deaktiviert werden. Dazu müssen zwei Sicherheiten überbrückt werden: der Schlüssel muss in den Schalter eingesetzt sein und die Schalterposition auf 'DISABLED' stehen sowie eine Einstellung zur Überbrückung in der VivoControl-Bedienermaske getätigt sein. Beim Umschalten des Schalter auf 'DISABLE' wird zudem eine blinkende Warnleuchte aktiviert. Hierfür kann eine Regelung des Zugangs zum Schlüssel bereits als Kontrolle des Benutzereingriffs zur Deaktivierung des Lichtvorhangs dienen.

EINFACHE INTEGRATION IN DIE BESTEHENDE RECHNER-INFRASTRUKTUR

Die VivoControl-Benutzeroberfläche läuft auf einem Standard-Windows-Desktop-Rechner mit mehreren freien USB-Ports, einem optischen Laufwerk sowie zwei Gigabit-Ethernet-Adaptern. VivoControl ist bereits durch AMTI vorinstalliert. Ein Ethernet-Adapter ist ebenso durch AMTI vorkonfiguriert und reserviert für die Kommunikation zwischen VivoControl und dem Echtzeit-VIVO™-Rechner. Der andere Ethernet-Anschluss ist frei zur Einbindung des Windows-Rechners in das Kunden-Netzwerk verfügbar. Falls benötigt, kann ein WLAN-Adapter installiert werden. Rechner, Tastatur, Maus und Monitor werden mit dem VIVO™ geliefert.

VIVO™ wurde als eigenständiges System konzipiert und alle VivoControl-Funktionen bezüglich der Handhabung, Steuerung und Programmierung des Simulators sind ohne Netzwerkverbindung nutzbar. Den Anschluss in das Kunden-Netzwerk kann den Datentransfer auf und vom VIVO™-Rechner zur Weiterverarbeitung von Ergebnissen, Sicherung von Einstellungen oder die Übertragung zu weiteren VIVO™-Systemen usw. vereinfachen. Der Standard-Windows-Rechner fügt sich an den meisten Standorten einfach in die IT-Infrastruktur ein.† Falls keine Netzwerkverbindung verfügbar ist, wird zum Datentransfer ein physisches Austauschmedium benötigt.

Die Integration der VivoSim Echtzeit-Visualisierung ist optional und benötigt eine Netzwerkverbindung. (VivoSim wird separat angeboten und ist auf der Homepage näher beschrieben.)

†AMTI versendet den Rechner mit deaktivierter Windows-Update-Funktion und empfiehlt diese Einstellung beizubehalten, um die Unterbrechung eines Langzeitversuchs aufgrund eines laufenden Updates zu vermeiden. Gemeinschaftliche IT-Richtlinien könnten von einer Netzwerkverbindung abraten oder diese verbieten, falls Updates deaktiviert sind.

VIVO™ ERFÜLLT EINE VIELZAHL AN ISO- UND ASTM-TESTSTANDARDS

VIVO™ ist in der Lage, Untersuchungen nach ISO 14242-1, ISO 14243-1, ISO/CD 14243-3, ISO 14879-1, ISO 16402, ISO 18192-1, ISO/TR 22676, ISO 7206-4, ASTM F1223-08, ASTM F2790-10, ASTM F2694-07, ASTM F2777-10, ASTM F2028-08 und ASTM F1829-98 durchzuführen.

FÜR MEHR INFORMATIONEN ZUM VIVO™-SYSTEM

Falls Sie mehr erfahren möchten, kontaktieren Sie uns unter vivo@amtimail.com

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